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01.05.2008 |
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Sächsische und thüringische Architekturmedaillen |
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Dagmar Sommer: Fürstliche Bauten auf sächsischen Medaillen
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Neues Buch über sächsische und thüringische Architekturmedaillen erschienen
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Viel zu selten wird die Medaillenkunst der Neuzeit thematisch in einem übergreifenden kultur- und kunsthistorischen Kontext erschlossen, werden die Medaillen als historische Quellen und künstlerische Meisterwerke gleichermaßen gewürdigt. All dies ist der Autorin des neuen Bandes hervorragend gelungen, der nicht nur für Medaillenliebhaber, sondern insbesondere auch für Kunsthistoriker und Architekturinteressierte von hohem Wert sein dürfte.
Dagmar Sommer systematisiert Darstellungstypen und –formen der miniaturisierten Architekturdarstellung des 17. und 18. Jahrhunderts an Beispielen aus Sachsen und Thüringen. Sie fasst zusammen, dass sich aufgrund ihrer Exklusivität Münzen und Medaillen in der frühen Neuzeit zu einem bevorzugten Bildmedium höfischer Repräsentation und Prachtentfaltung entwickelten, deren Bedeutung von der Kunst- und Architekturgeschichte bisher unterschätzt wurde. Hauptsächlich durch die ausführliche und in die Tiefe gehende ikonographische Untersuchung der Prägebilder entwickelt sie ein anschauliches Bild einer besonderen Kultur. Die grundsätzlichen Ergebnisse lassen sich vermutlich auch auf andere Landschaften Deutschlands und Europas übertragen. Die regionale Beschränkung auf die Gepräge der Herzöge und Kurfürsten von Sachsen ist allein aufgrund der in großem Umfang überlieferten Zeugnisse notwendig und ermöglichte eine detaillierte Untersuchung, die über den üblichen numismatischen Beschreibungshorizont weit hinausgeht. Dies verleiht dem Band den Charakter eines beispielgebenden kunsthistorischen und auch numismatischen Handbuches.
Die einzelnen Kapitel des Bandes widmen sich den charakteristischen landesherrlichen Bauaufgaben und können dem Inhaltsverzeichnis in der Leseprobe entnommen werden. Als verdienstvoll ist u.a. die Untersuchung zum spezifischen Entstehungszusammenhang und zur Funktion und Bedeutung der Gedenkmünzen und Medaillen als Teil des höfischen Zeremoniells hervorzuheben. Der 143 Münzen und Medaillen aus den bedeutenden Sammlungen der Münzkabinette in Dresden und Gotha umfassende und mit ausgesprochen vorzüglichen Abbildungen versehene Katalogteil ist solide erarbeitet und bietet einen grundlegenden Überblick zum Thema.
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage nach der medialen Vermittlung landesherrlicher Bautätigkeit und die Analyse der damit verbundenen Macht- und Prestigeinteressen. Die zentrale These der Arbeit lautet, "dass die Bildproduktion mit der Darstellung der landesherrlichen Bauten und die Weiterverbreitung der Prägungen als Strategie der Selbstdarstellung konsequent eingesetzt wurde, um Ansehen und Ehre der Landesherren zu steigern und das ‚symbolische Kapital’ ihrer Dynastie gegenüber politischen Konkurrenten, adeligen Standesgenossen und Untertanen sichtbar zu machen." (S.13)
Ausgesprochen interessant sind die Erläuterungen zu den Stadtansichten. So wird z.B. bei der 1702 geprägten Medaille auf das 200 jährige Jubiläum der Wittenberger Universität deutlich, welch vielschichtige und nur schwer zu entschlüsselnde geistige Komplexität den Bildmotiven zu Grunde liegt (S. 140/141, 306/307). Die fast jedes Detail erklärende Beschreibung macht die künstlerische und thematische Komposition der Medaille nachvollziehbar. Offenbar gab hier der bekannte Medailleur Christian Wermuth die Vorlage für die Rückseite, den Titelkupferstich der Gratulationsrede auf das Ehrenrektorat des Kurprinzen, nicht genau wieder, sondern hob den Schwarm der Zugvögel über der Stadtansicht hervor. Das emblematische Sinnbild symbolisiert das Reisen und das Forschen: Wenn ein Storch die Welt durchwandern und wenn Kranich und Schwalbe in die Ferne fliegen können, steht jeder Ort für den Menschen auf der ganzen Welt offen, der geboren ist, das Meiste zu erforschen (nach Nicolaus Taurellus: Emblemata…, Nürnberg 1602).
In diesem Sinne ist nur zu wünschen, dass Dagmar Sommer auch zukünftig ähnlich inspirierend die medaillenkundliche Literatur bereichert. Die hier vorliegende Arbeit wurde als Promotion an der Philipps-Universität Marburg im Wintersemester 2004/2005 angenommen. Zur repräsentativen und gelungenen Drucklegung kann der Autorin nur gratuliert werden.
Dagmar Sommer: Fürstliche Bauten auf sächsischen Medaillen. Studien zur medialen Vermittlung landesherrlicher Architektur und Bautätigkeit
(Schriften zur Residenzkultur, Bad. 3)
Lukas Verlag Berlin 2007
Festeinband, 415 Seiten mit 350 Abbildungen, 15,8 x 23,5 cm, 36 Euro, ISBN 3-86732-014-4 [ud]
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