Artikel 16.05.2007
Eine Medaille für Nürnberg Eine Medaille für Nürnberg, a
Eine Medaille für Nürnberg, Avers

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Eine Medaille von Helmut Zobl für Nürnberg - zum 20. Deutschen Numismatikertag
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"Der 1882 gegründete Verein für Münzkunde Nürnberg e.V. begeht in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen. Um dieses Ereignis, das bislang nur wenige Münzvereine feiern konnten, seiner Bedeutung entsprechend zu würdigen, hat der Verein zum 20. Deutschen Numismatikertag nach Nürnberg eingeladen und den in Wien lebenden Medailleur Professor Helmut Zobl gebeten, dieses besondere Fest auf einer Medaille festzuhalten. […]
Der Verein wünschte sich für die Medaille eine bildhafte Umsetzung des Generalthemas des Deutschen Numismatikertages "Krieg und Frieden" sowie einen Bezug zu Albrecht Dürer, Nürnbergs bedeutenden Sohn, der selbst mit Entwürfen für Münzen und Medaillen hervorgetreten ist.

Münzen, Medaillen, Plaketten von Dürer, auf Dürer, nach Dürer – so der Titel eines Kataloges von Mathias Mende – hat es in den vergangenen 500 Jahren in großer Zahl gegeben. So war es für den Verein, wie für den Künstler ein nicht unerhebliches Wagnis, mit einer weiteren Dürer-Medaille an bedeutende Vorbilder anzuknüpfen, ohne der Gefahr zu erliegen, längst Bekanntes zu wiederholen.

Helmut Zobl ist eine außergewöhnliche Dürer-Medaille gelungen, die auf den ersten Blick die vorgegebenen Themen nicht zu leicht zu erkennen gibt. Die Vorderseite mit der Umschrift VEREIN FÜR MÜNZKUNDE NÜRNBERG 1882 – 2007 lässt unter einem hölzernen Vordach ein spitzbogiges Portal mit geöffneten Türflügeln erkennen. […]

In die geöffnete Tür trägt Helmut Zobl auf seiner Medaille Fluchtlinien ein, die sich in einem Punkt auf der Mittelachse treffen; auch die Darstellung der beiden Türflügel unterliegt perspektivischer Verkürzung. Mit diesen perspektivischen Anspielungen verweist der Medailleur auf Dürers theoretische Arbeiten, die Fragen der Perspektive, der Geometrie, der Vermessung und der menschlichen Proportionen behandeln. […] Unter diesem Aspekt hat das Paar vor der Tür, das an Dürers berühmten "Adam und Eva"-Kupferstich denken lässt, einen sinnvollen Platz. […]
In der geöffneten Tür sieht Helmut Zobl eine Einladung an den Betrachter, die Tür zu durchschreiten und in Dürers Welt einzutreten. Die perspektivischen Fluchtlinien ziehen ihn förmlich in neue unbekannte Gefilde, die hinter der Tür liegen und die zu entdecken sind.

Die Rückseite mit der Umschrift "20. DEUTSCHER NUMISMATIKERTAG 2007" ist viergeteilt, ein für Medaillen ungewohntes Kompositionsschema. In die linke Hälfte setzt Zobl Bilder des Friedens, denen er in der rechten Bilder des Krieges gegenüber stellt. In den oberen Kreisvierteln reiten zwei Reiter aufeinander zu. […] Zu dieser Darstellung inspirierte Zobl Dürers Reiter der berühmten Holzschnittfolge zur Apokalypse. […]
Ins Bild eingefügt, wenn auch nur angedeutet, hat Zobl die Ohren des Teufels, entlehnt aus einem weiteren berühmten Kupferstich Dürers mit dem Titel „Ritter, Tod und Teufel“. Unterhalb der Reiter stehen zwei Paare, jeweils Frieden und Krieg verkörpernd: das eine sich einander zuwendend und liebevoll an den Händen fassend, und das andere feindlich von einander abgewandt, trotzig und unversöhnlich. Die beiden Kinder des linken Paares stemmen das A. D.-Zeichen in die Höhe. […]

Helmut Zobl gehört heute zu den wenigen Medailleuren, die kaum mit Gipsmodell arbeiten. Seit 1969 stellt er Prägestempel für Medaillen im Negativschnitt her, indem er direkt Bild und Schrift in den ungehärteten Eisenstempel schneidet. […] Die Tätigkeit Zobls endet nicht mit der Härtung des Stahlstempels, sondern er hat all die Jahre auch mit der Herstellung der Schrötlinge und mit der Prägung selbst experimentiert. Für kleine Auflagen gießt Zobl die Schrötlinge selbst und prägt in uralter Technik mit dem Hammer."

Aus dem Medaillenblättchen von Hermann Maué

Die Silbermedaille wiegt 60 Gramm und hat einen Durchmesser von 42 Millimeter. Die Auflage besteht aus 100 nummerierten Exemplaren auf handgegossenen Schrötlingen.
Die Medaille ist zu beziehen bei Manfred Kisskalt [kisskalt@t-online.de]. Die Bestelladresse kann bei der Redaktion erfragt werden. [gl]